Limitation

In der Volkswirtschaftslehre wird die Diskrepanz zwischen den unbegrenzten Bedürfnissen der Menschen und den zu ihrer Bedürfnisbefriedigung begrenzt zur Verfügung stehenden Gütern thematisiert. Die Welt ist begrenzt, die Ressourcen beschränkt. Eine Entwicklung, die dem seit einigen Jahren entgegensetzt, ist der Minimalismus. Ein freiwillig einfacheres Leben mit weniger materiellen Gütern dient als Gegensatz zur Überflussgesellschaft. Es werden weniger Waren gebraucht und wiederverwertet oder transformiert, gehören nicht einem Individuum, sondern der Allgemeinheit, werden weitergeben, mit anderen geteilt. Prinzipiell sinnvoll, wenn alle Beteiligten ähnliche Wertevorstellungen haben, ähnliche Achtsamkeit den Dingen entgegenbringen. Wenn es diesbezüglich Unstimmigkeiten gibt, wie schnell ist dann die Bereitschaft für ressourcenschonende Limitation erreicht? Und welche weiteren sinnvollen Alternativen existieren jenseits der Besitzesliebe?

Das Insel Institut erforscht Limitation während mehreren Wochen im Herbst/Winter 2016 in Island. Als Basis dient eine ehemalige Fischfabrik, Fish Factory Creative Centre, in Stöðvarfjörður, in den wenig besiedelten Ostfjorden. In dieser Gegend fassen die Dörfer knapp hundert Einwohnende und die Fahrt entlang der Fjorde bis zu nächsten Ort dauert über eine Stunde. Öffentlicher Verkehr ist rar, allgemeine Treffpunkte wie Restaurants/Cafés/Bars ebenso. Einkaufsmöglichkeiten konzertieren sich auf das etwas grössere Reyðarfjörður, mit dem umstrittenen Aluminiumwerk sowie den Hauptort Egilsstaðir, der über den Pass erreicht werden kann. Wenn es im Winter wieder Mal stürmt, sitzt man tagelang fest. Die Tankstelle im Dorf sorgt derweil für das Notwendigste. Ist es die Limitation, die den Horizont öffnet, die kreativ und erfinderisch macht? Während ihres Aufenthaltes wirft die Inselexpertin als erstes ihre eigenen Vorurteile und Erwartungen mit einem Protestmarsch über Bord, um mit einem möglichst ungetrübten Blick zu beginnen. Und im Zuge des mehrwöchigen Aufenthaltes entsteht das Videoessay 'a study in three acts' über abgelegene Orte. Um ferner weitere Eindrücke über Island, Land und Leute zu erhalten, wird ein Roadtrip durch weitere Teile des Landes unternommen, die II Flagge immer mit im Gepäck. Die Vorbereitung zu dieser Residency und die erlebten Erfahrungen werden in öffentlichen Veranstaltungen im BEP-Atelier präsentiert.

Die dörfliche Tankstelle serviert nebst Benzin die obligaten Hot Dogs und den lebensspendenden Filterkaffee. Reisebericht Island-Expedition

A Study in Three Acts

Eine Abhandlung, die der Beziehung von abgelegenen Orten - wie sie insbesondere auf Inseln vorkommen - und ihrer vermeintlichen Limitation auf den Grund geht und dabei vorhandene Vorurteile und herkömmliche Werte hinterfragt.