Isolation

Insel und Isolation sind sprachlich verwandt. Das Verb isolieren bedeutet einerseits abdichten, abtrennen, wie beispielsweise eine Wand gegen Kälte isolieren. Andererseits meint es ebenso absondern, vereinzeln, etwas oder jemanden von etwas anderem/anderes trennen. Hier knüpft das zugrundeliegende lateinische Wort insula an - Insel bzw. auch Häuserblock im alten Rom. Isolieren, das über isoler und isolare (franz./ital. absondern) von insula abgeleitet wurde, bedeutet demnach nichts anderes als ‘zur Insel machen’.



Das Insel Institut macht sich zur schwimmenden Insel und sondert sich für einige Tage auf einem Frachtschiff auf den grossen Weltmeeren ab. Die Inselexpertin fährt als einzige Passagierin mit der ‘Grande Europa’ von Antwerpen nach Salerno, einem Autofrachter der Grimaldi-Line unter italienischer Flagge. Etwa 60‘000 Frachtschiffe sind täglich auf den Weltmeeren unterwegs und 90% aller Güter der Welt werden auf dem Seeweg transportiert. Sogar das Binnenland Schweiz hat seit den 1940er Jahren eine Hochseeflotte mit zurzeit 49 Schiffen. Ab 200 Seemeilen von der Küste entfernt beginnt die Hohe See und es gelten die Gesetze des selbst gewählten Flaggenstaates der Schiffe. Im Falle der Grimaldi-Flotte wird das Schiff von einer italienischen Mannschaft geführt (mit Ausnahme philippinischer Matrosen). Für genügend Essen ist gesorgt, dreimal am Tag gibt es reichhaltige Mahlzeiten. Fernsehen ist via Satellit möglich, Internet gibt es keines. Während die Besatzung das Schiff trotz unterschiedlichster Wetterlagen souverän von Nordeuropa in den Süden manövriert, hat die Inselexpertin somit viel Zeit um über Isolation nachzudenken. Gerne würde sie bei anstehenden Aufgaben mithelfen, darf dies aber aus versicherungstechnischen Gründen, wie auch mangels den erforderlichen Fähigkeiten, nicht. Somit wird die Isolation selten durchbrochen. Jedoch kann sie dank einigen Gesprächen mit der Crew ihr Wissen über die Seefahrt aufbessern, singt mit den Matrosen Sehnsuchtslieder und versucht während dem Essen die italienischen Nachrichten zu entziffern.

Die Tage mit in die Ferne, ins grosse blaue, grüne, graue Meer starren verbringen und sich die grossen Fragen des Daseins stellen. Mal ist es grossartig, mal will man unbedingt weg, egal wohin. Reisebericht Grande Europa-Expedition