II durchgeführte Expeditionen

Das Insel Institut unternimmt eine Reihe von Forschungsreisen sowie Forschungsaufenthalte zu ausgewählten Inseln und Inseltypologien, um ein differenziertes Bild über die Beschaffenheit, Gewohnheiten und Eigenheiten von Inseln zu erhalten. Die Erkenntnisse der Expeditionen münden in Projekte, die Isolation und Verbindung thematisieren.

Expeditionen zu unterschiedlichen Inseln

Es werden eine künstliche, eine fiktive Insel sowie eine Insel im übertragenen Sinne, eine inländische und eine ausländische Insel besucht. Trotz der unterschiedlichen Beschaffenheit und Nutzungen der einzelnen Insel werden einige Ähnlichkeiten festgestellt. Durch die Abgeschiedenheit kann eine gewisse Entschleunigung notiert werden. Viel Zeit kann mit warten, abwarten verbracht werden. Diese Eigenheit lässt sich vor allem bei den längerfristigen Inselbesuchenden oder permanent Residierenden feststellen. Im Gegenzug kann beobachtet werden, dass vor allem die kurzfristigen Inselbesuchenden den Ort für Freizeitaktivitäten intensiv und sehr gezielt (Grillen, Rauchen, Joggen etc.) nutzen und sobald die Aktivität abgeschlossen ist, den Ort - zu meist ohne Spuren zu hinterlassen - wieder verlassen. Ebenso wird ein reges Interesse an lokalen Neuigkeiten und Geschehnissen festgestellt, dies auch dadurch, dass lokale Themen einen grossen Stellenwert in den Massenmedien haben. Hierbei schwingt auch immer ein gewisser Stolz mit auf die Eigenheiten wie eigenen Produkte und eigenen Rituale der Inseln. Ausserdem scheint zwischenmenschliche Kommunikation und sprachlicher Austausch ein wichtiger Stellenwert auf Inseln einzunehmen, denn man kommt schnell miteinander ins Gespräch und ein grosses Interesse am Gegenüber wird erfahren.

Saffainsel (CH)



Seit den späten 50er Jahren existiert am Mythenquai bei der Landiwiese in Zürich Wollishofen eine künstliche Insel. Sie wurde aus dem Aushubmaterial von dem in dieser Zeit angefertigten Engetunnel errichtet und ist namentlich der schweizerischen Ausstellung für Frauenarbeit gewidmet (SAFFA), welche 1958 auf der Insel stattfand und von knapp 2 Millionen Interessierten zwischen Juli und September anzog. Hierfür wurden eigens für die Ausstellung gestaltete Rundbauten errichtet, die als Symbol der Zusammengehörigkeit der Frauen stehen sollten. Die Insel ist als Teil der Gewässer-Parzelle im Besitz des Kantons Zürich und dient inzwischen als beliebtes Ausflugziel, insbesondere in den wärmeren Monaten wird sie gerne als Grill-/Badeort genutzt. Auf der 3‘000 m2 grossen Insel gibt es einen Rundweg, eine Wiese mit fünf Bäumen, einen Teerplatz mit Mauer, eine Bank, einen Kieselsteinstrand und einen Regenwasserablauf sowie einen Wasserabflussrohr. Die Insel ist über eine Brücke, welche die SAFFA mit dem Festland verbindet, erreichbar. Im Zuge der Inseluntersuchung wurden Gewässer- und Bodenproben genommen, auch die Baumbeschaffenheit wurde berücksichtigt. Ebenso wurden Wasserstand und Abstände zwischen den einzelnen Objekten gemessen und notiert. Ferner wurden die Insel-Eigenheiten, wie Wasserabflussrohr und Regenwasserablauf analysiert. Ein besonderes Augenmerk wurde auf neuzeitliche Artefakte wie Graffiti oder Fahrradschlösser gelegt.

Verkehrsinsel (CH)



Die Verkehrsinsel Werdhölzli besteht aus einer Tramendhaltestelle der Linie 17 sowie einer Wiese. Die Endstation wird aufgrund einer Streckenverlängerung seit 1976 bedient. Die Tramlinie 17 löste 2011 die Linie 4 ab, welche bis anhin diese Strecke fuhr und nun Richtung Altstetten Nord fährt. Auf der Wiese ist ein Strommast mit Uhr sowie um den Rasen 6 Bänke stationiert. Zahlreiche Zigarettenstummel lassen ein längeres Verweilen auf den Bänken vermuten. Die Verkehrsinsel ist durch eine einseitig befahrbare Quartierstrasse getrennt. Ein Einbahnschild bzw. ein Durchfahrtsverbotsschild verdeutlichen dies. Auf der einen Seite befindet sich die Wiese, auf der anderen Seite die Endhaltestelle sowie eine Quartierbushaltestelle. Die Tramstation beherbergt einen WC-Kubus, einen Unterstand mit Billettautomat, einen Müllcontainer, einen Mülleimer ferner einen Snackautomaten sowie einen Briefkasten, der täglich mindestens einmal geleert wird. Das Tram umrundet zu Stosszeiten alle 7 Minuten die Verkehrsinsel, wartet für 5 Minuten und fährt wieder zurück Richtung Innenstadt. Nach Mitternacht bis zum Morgengrauen wird der Verkehrsbetrieb eingestellt. Aufgrund der spezifischen Eigenschaften der Endhaltestelle-Insel wurde ein grosser Zeitaufwand mit Warten und Beobachten verbracht. Ebenso fand eine Bestandesaufnahme der einzelnen Objekte, Elemente statt und es wurde die Frequentierung der Besuchenden sowie Tramfahrenden gemessen.

Guernsey (UK)



Guernsey ist die zweitgrösste der britischen Kanalinseln. Es leben etwa 60'000 Personen der 80 km2 grossen Insel, wovon ungefähr ein Drittel in der Hauptstadt St. Peter Port ansässig ist. Die Insel kann über den eigenen Flughafen oder über den Fährverkehr von Frankreich/England aus erreicht werden. Guernsey ist im britischen Kronbesitz, gehört weder zum Vereinigten Königreich noch zur Europäischen Union, sondern ist in eine selbst-verwaltete Vogtei (Bailiwick) mit Parlament unterteilt. Sowohl Jersey (grösste Kanalinsel) als auch Guernsey geben ihre eigenen Banknoten/Münzen als auch Briefmarken heraus. Der grösste Teil des Einkommens wird durch Finanzdienstleistungen erwirtschaftet. Ebenso spielen Tourismus und Landwirtschaft (insbesondere Milchprodukte der Guernsey-Rinder) eine grosse Rolle. Dank der tiefen Steuersätze ist die Inselgruppe auch als Steuerparadies bekannt. In Zuge der Expedition wurde die Insel einmal zu Fuss umrundet, um die Auffälligkeiten zu dokumentieren. Gestartet wurde in St. Peter Port und in Richtung Süden, wo sich die Steilküsten und Hügellandschaften befinden, und sich nach Norden, zu den Sandstränden, vorgearbeitet. Als westlichste Kanalinsel ist sie Wind und Wetter stärker ausgesetzt. Ebenso hat Guernsey einen der extremsten Gezeitenhube der Welt, insbesondere im Frühjahr von bis zu zwölf Metern am Tag. An der Küste entlang sind noch viele Befestigungsanlagen des geplanten Atlantikwalls zu sehen, welche im 2. Weltkrieg von der Deutschen Wehrmacht während der fünfjährigen Besetzungszeit errichtet wurden. Auffällig sind auch die leerstehenden, überwuchernden oder zerfallenen Treibhäuser, die von einer regen Zeit des Gemüseanbaus (zuerst Wein, dann Tomaten) berichten, die jedoch wegen Kostengründen nicht mehr unterhalten werden. Es wurde auch öfters von einer Rivalität zwischen Guernsey und Jersey berichtet. Die Inselbewohnenden werden als 'donkeys' (stur und spiessig) bezeichnet, während der Expedition wurden sie als sehr gastfreundlich und interessiert wahrgenommen. Guernsey wird als naturnahe Insel mit einer einfachen Lebensart beschrieben. Ausserdem wird in den Massenmedien rege Werbung für die inseleigenen Produkte betrieben, um die Gemeinschaft und Wirtschaft zu erhalten und fördern. Vielerorts befinden sich kleine Stände mit Kassen (honesty stalls), welche lokales Gemüse oder Blumen verkaufen. Im Allgemeinen scheint das Leben beschaulich und die Kriminalität tief. In der Tagespresse wird von zwei jugendlichen Milchdieben berichtet und auch über die Legalisierung sprich kontrollierte Abgabe von Hanf nachgedacht.

Lützelau (CH)


Lützelau ist neben Ufenau die kleinere der beiden Zürichseeinseln. Die 3.4ha grosse Insel liegt im Bezirk des Kantons Schwyz, gehört jedoch zur naheliegenden Stadt Rapperswil-Jona. Ursprünglich beherbergte die Insel ein Frauenkloster und wurde 744 zuerst vom Kloster St. Gallen und dann im Spätmittelalter vom Grafen von Rapperswil aufgekauft. Die Insel steht unter Naturschutz und ist unbewohnt. Auf einer Hälfte kann jedoch von Frühling bis Herbst gezeltet werden. Die fast menschenleeren Ufer laden zum Verweilen ein. Zwei Inselwarte betreiben den Zeltplatz mit angrenzendem Restaurant und Bar. Die Ausrüstung muss selber mitgenommen werden. Es stehen jedoch einfache Sanitäranlagen zur Verfügung sowie drei öffentliche Grillplätze. Der Restaurantbetrieb geht bis 22 Uhr, öfters finden auch Anlässe und Konzerte statt. Ab 23 Uhr gilt Nachtruhe. Am Morgen empfiehlt es sich sehr eine Runde im noch ruhigen Zürichsee zu schwimmen. Der Umgang zwischen Inselwarten und unter den Gästen ist sehr familiär, man kommt schnell ins Gespräch. Die etwa zehnminütige Überfahrt kann von Rapperswil mit dem Inseltaxi oder anderorts mit einem Privatboot unternommen werden, es stehen beschränkte Bootsanlegeplätze zur Verfügung.

Myst Island


Myst Island ist eine fiktive Insel und dient als Umgebung für eine Serie von Computerabenteuerspielen, die ab den 90er Jahren entwickelt wurden. In diesen Spielen müssen Dinge erforscht werden, Funktionsweisen erkannt werden, um letztendlich an ein Ziel zu gelangen. Per Point-and-Click wird die surreale Umgebung, eine einsame Insel, erforscht. Zurzeit ist realMyst Masterpiece Edition die modernste Version. Zu Beginn gelangt man durch ein Buch auf die Insel. Im Zuge der Expedition wird zuerst die Insellandschaft untersucht. Auf Myst befinden sich Stege, Wege, Aussichtplattformen, Felsen und Hügel, Bäume sowie ein Tempel mit einer Bibliothek, Höhlen und Hütten, die man betreten und dann durch unterirdische Gänge laufen kann. Ebenso gibt es diverse Hebelapparate und Druckknöpfe, die man betätigen kann. Es gibt Hinweise, die, wenn richtig gelöst, zum nächsten Schritt in Richtung Ziel führen könnten. Was das Ziel ist, bleibt jedoch im Unklaren. In der Tempelbibliothek gibt es zwei besondere Bücher. Sobald sie geöffnet werden sprechen zwei Personen auf und wollen eine vermisste Seite zurück. Die gilt es wohl zu finden. Sonst scheint es auf der Insel keine Lebewesen zu geben. In einem Haus befindet sich eine Zeitmaschine, in der man in verschiedene Epochen reisen kann. Ob sich dadurch etwas verändert, ist noch nicht klar ersichtlich. Jedoch kann es Tag und Nacht werden. Speziell ist ferner der Turm im Wasser mit Zifferblatt, die Zeit kann auch hier verstellt werden. Auf der Insel kann man sich frei bewegen, ins Meer und von der Insel weg, scheint man jedoch nicht zu gelangen.

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